Warum ein Buch?

Reden ist Silber, Schreiben ist Gold!

Mein Anliegen, ein Buch zu schreiben, ist aus meiner Lebensgeschichte mit einem prominenten, aber auch polarisierenden Familiennamen erwachsen. Wie war es, als Tochter eines erfolgreichen und als umstritten geltenden Politikers in den 50er, 60er und 70er Jahren in Deutschland aufzuwachsen und trotzdem den eigenen Weg zu finden? Ein Weg mit vielen „Ups und Downs“, der zuweilen kurvig, zuweilen steil bergauf verlief, aber phasenweise auch hinab ins Tal führte. Das Buch schildert meine ganz persönlichen Erfahrungen als Familienmitglied des „Filbinger-Clans“, befasst sich zwangsläufig aber auch mit meinem Blick auf ein Stück bundesdeutscher Zeitgeschichte.

In unserer Großfamilie mit fünf Geschwistern ist immer viel geredet und diskutiert worden. Und selbstverständlich ist viel über uns geredet worden. Zuletzt vor allem im Jahr 2007, nach dem Tod meines Vaters, dem eine erneute, intensive Debatte in den Medien über seine Rolle und sein Handeln während des NS-Regimes folgte.

Für mich war das der Zeitpunkt für den Rückzug an meinen Schreibtisch, in meinem Zuhause. Mit Blick in den Garten fing ich an zu schreiben. Eines Morgens, um vier Uhr, während einer von vielen schlaflosen Nächten, blätterte ich durch die Zeitung, die der Bote gerade in den Briefkasten geschoben hatte, und las von einem literarischen Schreibseminar in Düsseldorf. Ich meldete mich an, sandte einen Probetext ein, erhielt eine Teilnahmebestätigung und die Sache war perfekt. Das war der Anfang.

Der zunächst noch diffuse Wunsch, meine Geschichte aufzuschreiben, wurde durch den Fund der Tagebücher meines Vaters im Jahr 2009 endgültig konkret.

Von Bedeutung war zudem meine Begegnung mit der Schriftstellerin Liane Dirks im Oktober 2010. Über mehrfache Besuche ihrer biografischen Schreibseminare entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit und ein intensiver Austausch über die Themen, die mich beschäftigten, welche Leser ich erreichen und welche Botschaften ich vermitteln wollte.

Es folgte eine Zeit intensiver Recherche unzähliger Fakten, Daten und Personen, der Suche nach einem geeigneten Verlag und schließlich die Fertigstellung eines druckreifen Manuskriptes.

Im Kern beschäftigt sich das Buch mit der Frage, was es bedeutet, im Fokus der Öffentlichkeit zu leben, weil man die Tochter eines prominenten und schließlich auch als umstritten geltenden Vaters ist. Wie lebt es sich damit, wenn der Familienname stets die Frage aufwirft: „Ist das nicht die Tochter von …?“ Kann man sich „ausklinken“ und sein eigenes Leben führen? „Leben und gelebt werden“ – so hat es Walter Kohl, der Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers, auf den Punkt gebracht. Ich kann ihn gut verstehen und habe vor dem Hintergrund unserer Familienbiografie meine eigenen Antworten darauf gefunden.

Warum also ein Buch? Schreiben bedeutet hinhören, hinterfragen, nach- und aufspüren. Wie beim Entstehen eines Gemäldes gibt es unterschiedliche Perspektiven, Farben und manchmal nur Farbtupfer. Viele Figuren gibt es in meiner Geschichte.

Das Buch ergibt, so hat es ein Leser formuliert, „insgesamt kein Ölgemälde, in dem alles fertig und erklärbar ist, sondern eher eine Collage, deren Einzelteile vielfach unvermittelt nebeneinander stehen“. Wie mein Leben eben nicht auf einen „einzelnen Nenner zu bringen und vollständig zu erklären ist“, so finden sich auch in meinem Buch nicht immer Begründungen und Belege für mein Handeln. Manche Ereignisse bleiben ein Geheimnis – auch für mich. Und das akzeptiere ich.

Meine Lebensgeschichte ist eng mit dem Aufstieg und Fall meines Vaters und der politischen Macht verbunden. Das Buch beschäftigt sich daher auch intensiv mit seiner Rolle während der NS-Zeit. Fest steht: Mein Vater war Marine-Richter in einem totalitären, verbrecherischen System und hat als solcher moralisch Schuld auf sich geladen. Wie viele andere Offiziere hat er sich für das Funktionieren des „Systems Wehrmacht“ instrumentalisieren lassen. Er war leidenschaftlicher Soldat und Deutschnationaler, aber kein Nazi, kein Hitler-Verehrer, kein Sadist, kein Rassist, kein Antisemit. Letztlich ein Mitläufer, ein Kind seiner Zeit.

Das alles bewirkte Brüche in der Biografie meines Vaters, die auch das Verhältnis Vater-Tochter geprägt und zu unangenehmen Auseinandersetzungen und Erlebnissen geführt haben.

Das Studium seiner Tagebücher und die Aufarbeitung in meinem Buch sind mit dem Ziel geschehen, zu verstehen statt zu rechtfertigen oder zu verurteilen.